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Die „unendliche Geschichte“ des Sommers hat für den BBC COBURG ein Happy End: Publikumsliebling und Topscorer Jordan Burris hält den Vestestädtern auch in der 2. Basketball-Bundesliga ProB die Treue. Der umworbene US-Amerikaner bleibt für mindestens eine weitere Saison an der Itz.

„I’m coming back, ich komme wieder“, so lauteten im April beim „VestAkt“ des BBC COBURG anlässlich des Titelgewinns in der 1. Regionalliga Südost die großen Worte von Jordan Burris. Jubel brandete auf, die Vertragsverlängerung mit dem wohl besten sogenannten „Importspieler“ der Liga schien in trockenen Tüchern. Nicht ganz, denn in der Folge kamen dem Kalifornier Zweifel an seiner eigenen Entscheidung. Spieleragenten meldeten sich mit vollmundigen Versprechungen beim 25-jährigen Small Forward, der freimütig zugibt: „Aus der Emotionalität des Moments heraus spontan in der Halle diese Aussage zu tätigen war sicher ein Fehler. Es war meine erste Saison als Profi, wir feierten gerade die Meisterschaft, da bin ich wohl von meinen Gefühlen übermannt worden.“ Trotzdem brachten in der Folgezeit die angeblichen lukrativen Angebote und Anfragen aus höheren Spielklassen Burris ins Grübeln. An manchen Interessensbekundungen war wohl tatsächlich etwas dran; unter anderem informierte sich eine Mannschaft aus der zweiten Liga in Frankreich bei den BBC-Verantwortlichen über Qualitäten und Charaktereigenschaften des Distanzwurfspezialisten. Andere dürften heiße Luft gewesen sein, ein typisches Phänomen in der Welt der Berater, die Talente mit erfundenen Offerten ködern, um sie dann nach Unterschrift beim jeweiligen Vermittler tatsächlich anderen Klubs anzubieten.

Harte Verhandlungen

Der Kontakt zu „JB“ riss dennoch nie ab und von Seiten der Oberfranken machte man keinen Hehl daraus, dass man den eleganten Scharfschützen sehr gerne wieder in Coburg begrüßen würde. Zum einen, weil Burris‘ Qualität auf dem Parkett unbestritten ist: 21,4 Punkte pro Partie, knapp neun Rebounds, jeweils über zwei Assists und Ballgewinne sowie Wurfquoten von 60 Prozent aus dem Zweier- und 43 Prozent aus dem Dreipunktbereich sind Fabelzahlen. Die Einstellung des ehemaligen NBA-D-League-Profis erwies sich ebenfalls als vorbildlich: „Jordan hat sich jederzeit komplett in den Dienst der Mannschaft gestellt und auch dann auf die Zähne gebissen, als Verletzungen seinen Einsatz eigentlich unmöglich gemacht haben“, betont Wolfgang „Jack“ Hörnlein, Vorsitzender des BBC COBURG e.V.. Zum anderen hat der offene und kommunikative US-Boy abseits der Feldes die Herzen der BBC-Anhänger erobert. „Er sucht den Kontakt zu den Fans, hat Charisma und damit das Zeug zum Aushängeschild“, so Hörnlein.

Die Wende im sommerlichen Vertragspoker kam, als die Coburger mit einem verbesserten Angebot „an und über die Schmerzgrenze hinaus“ (Hörnlein) gingen, unter anderem dank der Unterstützung von Hauptsponsor Brose. Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Unternehmens, hatte Burris nach einer 40-Punkte-Gala höchstselbst die Qualität für höhere Aufgaben bescheinigt. Der alte und neue BBC-Publikumsliebling wirbt um Verständnis für seine gestiegenen Gehaltsvorstellungen: „Das hat nichts mit Geldgier zu tun, aber ich möchte einfach nicht mit 35 eine dieser traurigen Gestalten sein, die zehn Jahre als „Profis“ aktiv waren, aber vor dem Nichts stehen. Mein Wunsch war es aber immer, nach Coburg zurückzukommen, weil ich dort eine perfekte erste Spielzeit in Europa erleben durfte. Fans, Umfeld, Mannschaft, Erfolg – es hat alles gestimmt!“

Bereit für die Führungsposition

Mit verbesserten Bezügen kommt auf Burris aber gleichzeitig eine noch größere Verantwortung zu. „Er ist ein unglaublich talentierter Schütze und jemand, der die entscheidenden Würfe eiskalt verwandelt, aber in der neuen Saison erwarte ich noch mehr von ihm. Jordan muss in die Rolle eines echten Anführers hineinwachsen und für die neu hinzukommenden Akteure eine Leitfigur sein, damit deren Integration problemlos verläuft“, umreißt Headcoach Simon Bertram seine Erwartungen an den athletischen Absolventen der University of Nevada.

Burris selbst ist sich der veränderten Ausgangslage bewusst: „Im vergangenen Jahr hatte ich als Rookie noch eine gewisse Schonzeit, jetzt muss ich sofort liefern. Ich kenne mich in Coburg inzwischen gut aus und bin bereit, eine Leaderfunktion zu übernehmen. Auch mein Spiel muss ich für das nächste Level noch flexibler gestalten. Deshalb arbeite ich im Sommer hart an meiner linken Hand und an meinem Zug zum Korb, damit ich schwerer auszurechnen bin.“ Sollte „JB“, der sich momentan wieder in der renommierten Drew League in Los Angeles mit NBA-Größen misst, diese Schwächen noch abstellen können, dürfte er seine Gegenspieler auch in der 2. Bundesliga ProB mächtig ins Schwitzen bringen.

Für den BBC COBURG ist die Zusage ihres Zugpferdes ein wichtiges Signal: „Wir betonen stets, dass Kontinuität für uns essentiell ist. Diese Übereinkunft stellt einen weiteren Beweis dafür dar, dass wir auch dementsprechend handeln“, so Manuel „Bobby“ Fischer, Geschäftsführer der BBC COBURG Spielbetriebs GmbH.

Wer vergessen hat, wie Jordan spielt: Highlights 16/17

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